RAM bei 0000H-37DFH anstelle des Sonder-ROMs im GENIE

Helmut Bernhardt

Der Sonder-ROM des GENIE hat durchaus seine angenehmen Seiten; es gibt auch kaum GENIE-Besitzer, die ihn endgültig aussondern (eine ebenfalls mögliche Interpretation seines Namens). Aber, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, muß man rückwirkend feststellen, daß man ihn so gut wie nie benutzt hat. Manchmal fragt man sich, ob es nicht besser wäre, diesen kostbaren Adreßraum als RAM zur Verfügung zu haben. Aber warum nicht das Eine tun ohne das Andere zu lassen.

Eine kleine Umbaumaßnahme führt dazu, daß im Grundzustand der Sonder-ROM verfügbar ist und auf Tastendruck (ohne Treiberroutine) auf RAM umgeschaltet wird. Es wurde dabei die Kombination der Tasten Y und Z ausgewählt, die hinreichend weit auseinander liegen, um ein ungewolltes Umschalten auszuschließen und wegen ihrer Lage in der Tastaturmatrix den Hardwareaufwand gering halten.

Dazu muß leider zunächst ein Teil der Arbeit, die dafür aufgebracht wurde, den Sonder-ROM voll zu decodieren, um im Bereich 3000H-37DFH RAM zur Verfügung zu stellen, wieder zunichte gemacht werden. D.h., das dabei eingesetzte IC 74LS08 wird wieder entfernt und durch ein 74LS11 ersetzt, und mit den gleichen Signalen wie im Schaltplan zu ersehen ist, versorgt. Auch das Signal SYSRES* (aus RESET* und NMI* durch AND-Verknüpfung gebildet) wird hier wiederhergestellt und auch gleich verwertet.

Zusätzlich zu den Signalen, die das 74LS08 schon erhielt, wird jetzt auch noch das das Signal 3000-37DF* an Pin 9 des 74LS11 gelegt. Dieses Signal wird an Pin 11 eines zusätzlichen 74LS32 erhalten und über ein weiteres OR-Gatter dieses ICs mit dem Ausgang eines Flip Flops verknüpft. An Pin 8 dieses Gatters kann nur dann Low-Pegel erscheinen, wenn das Signal 3000-37DF* low ist und wenn der Ausgang des Flip Flops (Pin 6 eines zusätzlichen 74LS00) low ist.

Dieser Ausgang ist aber allgemein high, sodaß das Signal 3000-37DF* nicht durchgeschaltet wird. Der Pegel an Pin 6 des Flip Flops wird bei jedem RESET (Einschalten des Computers) und jedem NMI (Drücken des RESET-Knopfes) auf high eingestellt. In diesem Zustand kann also bei Adressen zwischen 3000H und 37DFH nie Low-Pegel an Pin 9 des 74LS11 ankommen.

Erst wenn von Pin 6 des zusätzlich einzubauenden 74LS32 ein Low-Impuls ausgegeben wird und das Flip Flop umkippt, gelangt jedesmal, wenn eine Adesse zwischen 3000H und 37DFH auf dem Bus liegt, das low aktive Signal 3000-37DF* an den Pin 9 des 74LS11.

Der Ausgang dieses AND-Gatters (Pin 8) ist immer dann low, wenn einer seiner Eingänge low ist, also wenn Adressen in den Bereich 16-64K, 3900H-3BFFH und nun auch 3000H-37DFH auf dem Bus liegen. Der Pin 8 steuert die Freigabe des RAM-Speichers. Immer, wenn dort LOW-Pegel ausgegeben wird, erfolgt ein Zugriff auf das RAM.

Genauso, wie der Pin 6 des Flip Flops über das OR-Gatter (Pins 10, 9, 8) regelt, ob das Signal 3000-37DF* eine RAM-Freigabe bewirkt, steuert der Pin 8 des Flip Flops, ob durch dieses Signal der Sonder-ROM freigeschaltet wird. Da die Pins 6 und 8 immer entgegengesetzte logische Pegel haben, können keine Konflikte zwischen RAM und Sonder-ROM entstehen.

Das Umkippen des Flip Flops (kein Sonder-ROM mehr verfügbar, dafür RAM in dessen Adreßbereich) wird durch OR-Verknüfung von Tastatur-Signalen erreicht. Dafür muß die Tastaturadreßleitung AK3 low aktiv sein und die Tastatur-Datenleitungen DK1 und DK2 müssen ebenfalls low sein. AK3 wird immer dann low, wenn die Tastaturadresse 3808H gelesen wird. Wenn in diesem Moment die Tasten Y und Z gedrückt sind, werden dadurch DK1 und DK2 auf low gezogen das dann an Pin 6 der beiden hintereinander geschalteten OR-Gatter ausgegebene Low-Signal schaltet das Flip Flop um.

Das Umschalten ist nur dann möglich, wenn eine Tastatur-Treiberroutine aktiv ist (NEWDOS/80 READY; Befehlseingabe; Komm, laß knacken u.s.w.), oder wenn ein Programm die Adressen 3808H (oder jede andere Adresse im Bereich 3800H-38FFH mit A3 = 1) liest.

Umbauanleitung

Die Umrüstung baut darauf auf, daß der Computer mit 4164-RAMs bestückt ist und daß die Erweiterung zur vollen Decodierung des Sonder-ROMs und zur Bereitstellung von RAM im Bereich 3900H-3BFFH schon durchgeführt wurden.

Das bei diesem Umbau mit eingesetzte IC 74LS08 wird entfernt und durch ein 74LS11 ersetzt. Die Leitungen, die vorher an das 74LS08 führten, werden nun gemäß Schaltplan an das 74LS11 gelegt.

Außerdem sind noch ein weiteres 74LS32 und ein 74LS00 nötig. Da in der näheren Umgebung des Schlachtfeldes keine geeigneten DIL14-ICs mehr vorhanden sind, auf die diese ICs huckepack-gelötet werden können, müssen DIL16-ICs als Fundament herhalten (z.B. Z8 und Z9; 74LS368 und 74LS367). Dabei muß das DIL14-Huckepack-IC mit seinen Pins 7 und 14 etwas Spagat üben, um mit den Füßen an die Pins 8 und 16 des DIL16-ICs darunter zu gelangen. Es gilt auch hier wieder "Die Pins 1-6 und 8-13 werden hochgebogen". Das Freigabesignal für den Sonder-ROM wird über das noch freie OR-Gatter des 74LS32 (Pins 13, 12, 11), das bei der letzten Umbaumaßnahme schon eingesetzt wurde, erhalten. Die Leiterbahn, die zu Pin 18 des Sonder-ROM führt, muß durchtrennt werden.

Wenn die an die Pins 4 und 9 des zusätzlichen 74LS04 führenden Leitungen vertauscht werden, liegt von vornherein RAM vor und die Tasten Y und Z schalten auf Sonder-ROM um.

Bei eingebautem "Ver-16-facher des Sonder-ROM-Bereichs" ist dieses Projekt weder nötig noch möglich.